So Ihr Lieben,

nun endlich der bereits vor fast vier Wochen versprochene Bericht über unsere Besuche in Siena, Volterra und Pisa. Durch „private Turbulenzen“ 😉 ließ dieser ein wenig länger auf sich warten, als zuerst geplant. Aber nun lest und schaut:

 

Siena

Uwe und ich sind beide der Meinung: Siena hat viel mehr Charme, als Florenz. Aber der Reihe nach:

Der Campingplatz „Colleverda“ liegt auf einem grünen Hügel, etwa 2,5km vom Stadtzentrum entfernt. Gleich bei unserer Ankunft musste ich zweimal hinschauen: Da stand ein Motorrad mit einem indischen Kennzeichen! Hä? Sicher ein Gag – dachte ich aber nur, denn der Fahrer des Fahrzeugs war tatsächlich ein Inder und wie wir von ihm erfahren haben, seit Juni 2015 unterwegs. Fast ein Jahr von Indien bis Italien. Und noch lange keine Ende ich Sicht, wie er uns verraten hat. Supertrip! Schulterklopf 🙂

Das Zentrum von Siena ist in ca. 20 Minuten bequem mit dem Bus zu erreichen und alles Sehenswerte liegt schön nah beieinander.

Ein Hingucker ist der sogenannte Muschelplatz (Campo II). Er erinnert an eine sehr überdimensionale Jakobsmuschel. Auch ist der Platz leicht abschüssig – wie eine Muschel eben 🙂

In Ermangelung von Sitzgelegenheiten in Form von zum Beispiel Bänken setzt man sich hier einfach auf den warmen Boden – oder man nimmt einen Drink am Rand des Platzes in einem der zahlreichen Cafés oder einer der überfüllten Bars, um die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen, auch wenn es hier etwas teurer ist. Das Panorama muss eben auch bezahlt werden 😉

 

An der unteren Seite des Platzes, der übrigens eher das Zeug zum „schönsten Platz in der Toskana“ hat, als die Piazza Grande in Arezzo, sehen wir den „Torre del Manglia“. Er ist mit seinen 102 Metern und 555 Treppenstufen das höchste Gebäude in Siena und sogar höher als der Dom (sowohl Turm, als auch Kuppel) in Florenz! Die 10 Euro pro Person für den Aufstieg sollte man unbedingt investieren, denn die Aussicht über die leicht hügelige, grüne Umgebung und auf der anderen Seite über die Dächer von Siena und auf den Dom lassen einen schnell wieder zu Atem kommen.

Später geht es dann durch enge Gässchen weiter zum wohl bemerkenswertesten Bauwerk der Welt (wie ich gelesen habe), auch wenn er geneigte Leser davon vielleicht noch nie gehört haben mag – genau wie wir übrigens :-). Stimmt aber sicher: Der Dom von Siena.

Der Eintritt ist vergleichsweise günstig: 4 Euro für den Dom und die Bibliothek und die Besichtigung des  Baptisteriums weiter unten kostet ebenfalls 4 Euro. Beides lohnt sich aber in jedem Fall. Die Fotos sprechen hier für sich.

Der Fußboden der Kathedrale ist zum Schutz teilweise abgedeckt. Wie Uwe später nachgelesen hat, wird er dieses Jahr im August „entblößt“, dann liegt der Eintrittspreis bei immer noch finanzierbaren 7 Euro.

Warteschlangen hatten wir weder beim Torre del Manglia, noch beim Dom oder beim Baptisterium, obwohl in der Stadt fast mehr Menschen weilten, als in Florenz.

In der Nähe des Campo II findet man ganz leicht den Zuckerbäcker „NANNINI“. Die Tochter des Hauses dürfte den älteren Semestern unter uns noch in Erinnerung sein: Gianna Nannini 😉

Hier kann man das typisch sienische „Panforte“ kaufen, oder auch gleich an Ort und Stelle verspeisen. Die Spezialität schlechthin – ein Kuchen aus Mandeln, Nüssen, Zucker und Zimt. Wer nicht den Namen bezahlen möchte, kauft den Kuchen und andere süße Leckereien in einer der zahlreichen Bäckereien oder Feinkostläden ein paar Gassen weiter für etwas mehr, als die Hälfte des Nannini-Preises.

Weil in Siena alles kompakt beieinander liegt und – wie der aufmerksame Leser bereits bemerkt haben mag – wir alle Museen bisher großzügig ausgelassen haben, blieb uns hier fast der ganze Nachmittag zum Bummeln, Essen und Einkaufen 🙂

Ach ja: Unser Frühstück bestand übrigens aus zwei sehr guten Cappuccino und zwei süßen Croissants für zusammen genau FÜNF Euro! Das Café lag natürlich außerhalb der Touristenzone, wo man für das Geld nicht mal einen Drink bekommt.

Tja und dann hat mich irgendwie mein Gespür für Wolle geleitet, indem ich unbedingt eine kleine, eher unspektakuläre Gasse entlang laufen wollte. Und wo stand ich dann plötzlich und unverhofft? Vor einem kleinen, aber feinen Wolleladen! Vorbei gehen ging natürlich überhaupt nicht und so geschah es, dass ich trotz meinem schier unerschöpflichen Wollestash zu Hause doch ein bisschen etwas mitgenommen habe. Natürlich nur Garne „Made in Italy“, denn alles andere wäre ja Unsinn gewesen 😉

So ging ein weiterer, schöner, aber auch anstrengender Tag in der Toskana zu Ende. Eigentlich war es für mich der bisher schönste Tag und das nicht nur wegen des Garns ;-).

 

 

Volterra

Volterra liegt auf einem hohen Hügel und bietet die sicher schönste Aussicht in die toskanische Hügellandschaft. Das WoMo mussten wir leider unten abstellen und den Berg hinauf laufen – keine Rolltreppen dieses Mal 😉

In das Städtchen gelangt man durch ein sehr altes, etruskisches Stadttor, das relativ gut erhalten ist. Durch mittelalterliche Gässchen geht es weiter vorbei an niedlichen, kleinen Pizzerien, Restaurants und Verkaufsboutiquen, bis man ganz oben im Ort anlangt. Es eröffnet sich einem ein heller, sonniger Platz, fast quadratisch, der gesäumt ist von sehr alten Gebäuden.

Kultur war an dem Tag aber ausnahmsweise nicht unser Ansinnen und so kann ich hier nicht mal sagen, um welche Kirchen es sich bei den beiden sehr spartanisch eingerichteten Gebäuden handelt, die wir hier betreten haben. Aber das macht nichts 😉

Dafür haben wir ein sehr gutes Restaurant entdeckt, wo man bei einem Blick auf die Rechnung keinen Schock erleiden muss ;-): Für 54 Euro hatten wir beide ein leckeres toskanisches Drei-Gänge-Menü, 1/2 Liter Hauswein, der gar nicht schlecht ist, Wasser und Espresso!

Den absoluten Höhepunkt bildet in Volterra zumindest für uns eine gar nicht so kleine Bildhauerei mit Verkaufsräumen am Ende einer kleinen Straße. Aber nicht irgendeine Bildhauerei, sondern eine, die ausschließlich Alabaster verarbeitet. Die schönsten Gegenstände werden dort hergestellt: Büsten von Menschen und Tieren, Schalen, Schüsseln, Vasen, Döschen, Urnen. Sogar Früchte werden naturgetreu nachempfunden und gefärbt, so dass man erst beim Anlangen feststellen kann, dass es sich nicht um echte Früchte handelt. Beeindruckend.

Für uns gab es nach einer ausgiebigen Bewunderung der Stücke eine kleine Schale, ein hübsches Döschen mit Deckel  und einen Flaschenverschluss.

Die bekannte Aussichtspromenade allein wäre aber auch schon einen Besuch des kleinen Örtchens wert. Man kann dort eine Zeitlang verweilen und sich die Landschaft anschauen. Tipp: Nehmt ein Fernglas mit.

Vielleicht hat der ein oder andere schon einmal etwas von der „Balze“ in Volterra gelesen oder gehört: Ein wahres Touristenmagnet ist am anderen Ende es Dorfes aus dem Kummer der dort ansässigen Menschen geworden. Bodenerosion hat den Tuffstein dort so ausgewaschen, dass eine interessante Landschaft entstanden ist, aber auch schon vereinzelt Anwohner zum Verlassen ihres Hauses veranlasst hat. Aber schaut selbst:

 

Pisa

In Volterra haben wir gar nicht übernachtet, sondern wir sind am gleichen Tag noch weiter nach Pisa gefahren und auf dem angepeilten Campingplatz hatten wir auch wieder Glück und freie Auswahl 🙂

Am Abend saßen wir noch gemütlich bei einem Cocktail in der Altstadt: Uwe wurde es in seiner neuen Lederjacke kalt, ich hingegen kam im Wollponcho fast ins Schwitzen 😉

Der Cocktail ist mir leider nicht besonders bekommen und so musste ich am nächsten Tag bis ca. 12:00 Uhr ruhen.

Danach spazierten wir gemütlich Richtung „Platz der Wunder“, um uns dort alles anzuschauen. Wer auf den weltberühmten „Schiefen Turm von Pisa“ hinauf möchte, muss unerhörte 18 Euro pro Person berappen! Auch wenn die Besteigung ein Erlebnis sein soll, da man dabei wohl das Gefühl hat, hinunter zu klettern, beließen wir es aber lieber bei der Reihe an Türmen, die wir bisher in der Toskana bestiegen hatten.

Dafür wollten wir die Kathedrale (kostenlos, trotzdem muss man ein sogenanntes Leerticket lösen), das Baptisterium und den legendären Friedhof sehen. Dafür zahlt man 7 Euro pro Person.

Allein schon für den Friedhof kann man getrost eine bis zwei Stunden, durchaus aber auch mehr einplanen. Die Gräber, deren Errichtung bis in die heutige Zeit hinein reicht, sind ausnahmslos aus Marmor gehauen. Die allermeisten sind sehr kunstvoll flach auf dem Boden angelegt und ich persönlich finde es sehr schade, dass die meisten Besucher achtlos darüber hinweg traben.

Wenn man den Friedhof hinter sich lässt, stößt man automatisch auf das Baptisterium, das außen reicher verziert ist, als innen. Dafür finden drinnen aber regelmäßig sehr eindrucksvolle  „Echodemonstrationen“ statt. Die Kuppel ist viel höher, als die von Florenz und Siena und verfügt daher über eine wohl einzigartige Akustik. Ein Mönchsgesang muss sich hier wundervoll anhören.

Bis hinauf in die Kuppel sind es übrigens 70 Stufen, ich habe sie gezählt 😉

Zur Stärkung ging es in die Via del Flaggiole, in ein minikleines Restaurant, das die Aufmerksamkeit von Touristen in keinster Weise auf sich zieht. Hier treffen sich wohl auch mehr die Pisaner zum mittäglichen Mahl: „Wo Einheimische essen, gibt es die beste Küche“ – dieser Satz hat sich dieses Mal leider nur für Uwe bewahrheitet, denn ich begnügte mich mit einem Kamillentee, den der nur italienisch sprechende Wirt mir sehr verständnisvoll serviert hat 🙁

Über die „Piazza Cavaliere“ und die „Via S. Maria“ geht es an einigen kleinen Läden vorbei und leider auch an zahlreichen sogenannten fliegenden Händlern, die einem teure „Markenuhren“ und dergleichen zu absoluten Spottpreisen anbieten. Man sollte nicht den Fehler machen, ihnen etwas abzukaufen.

Dann haben wir wieder den imposanten Dom im Blick, den wir uns nun auch noch antun und werden auch nicht enttäuscht. Man kann alle Gebäude, die wir uns in der Toskana angeschaut haben, überhaupt nicht miteinander vergleichen.

Ohne den „Platz der Wunder“ wäre Pisa aber keine Reise wert, wie wir denken, was auch an meiner Unpässlichkeit an dem Tag gelegen haben könnte.

Ich bin froh, auf diesem Blog hier unsere Reiseberichte zu schildern, sonst würden die Eindrücke und vor allem viele kleine Einzelheiten und Begebenheiten sicher nur allzu schnell in Vergessenheit geraten. Den Cocktail in Pisa jetzt mal ausgenommen 😮

Alles Liebe,

Eure Anja