Hallo und guten Tag liebe Leserinnen und Leser,

wer heutzutage mit dem Wohnmobil (WoMo) und damit unabhängig unterwegs sein möchte, muss wohl die ferienärmeren Zeiten im Jahr wählen, denn mittlerweile fahren sehr viele von diesen Gefährten überall auf den Straßen herum, sodass es in Urlaubshochzeiten schwer sein könnte, einen geeigneten Platz für die Nacht zu finden. Oder man muss vorher buchen, was dann aber leider wieder eine Einschränkung der neu gewonnenen Unabhängigkeit darstellen dürfte.

Diese Erfahrung mussten wir leider an Ostern machen. Mir war nicht klar, wie viele Urlauber an diesen Tagen auf den Beinen (Rädern) sind und so hatten wir mehr Glück als Verstand, dass wir in Südtirol überhaupt noch ein halbwegs akzeptables Plätzchen gefunden hatten und dies nur durch die sehr freundliche Unterstützung eines Campingzubehör-Händlers, ohne den wir wohl aufgeschmissen gewesen wären.

In der Toskana sind wir davon zum Glück verschont geblieben, auch wenn wir bei dem zuerst angepeilten Platz mitten in Florenz zuerst einmal leider vor verschlossenen Türen stehen mussten. Der Campingplatz wurde durch einen anderen ersetzt, der sich leider etwas außerhalb befindet. Nur noch ein Mal wird man mitten in Florenz campen können, dann schließt der Platz für immer seine Pforten. Er muss sicher einem „wichtigeren“ Projekt weichen. Schade eigentlich, denn bequemer kommt man als Wohnmobilist wohl nicht mehr zu Fuß in die Stadt.

So mussten wir am nächsten Morgen eben den Bus ins Zentrum nehmen. Das kostete zwar etwas Zeit, war aber nun auch nicht tragisch, denn die Busse verkehren alle 20 Minuten und die Kosten kann man sich auch erlauben.

Man meint eigentlich gar nicht, wie klein Florenz im Grunde ist. Alle Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander, auch wenn es derer viele sind. Da unsere Zeit für die Toskana-Tour leider knapp bemessen war und wir uns einiges an Städten und Orten vorgenommen hatten, wurde zuvor eine Entscheidung getroffen:

Uwe – zuständig für die Tour und die Auswahl der Städte und Ortschaften

Anja – zuständig für die Besichtigungen und Wege, und für La Vialla

Florenz war die erste Station und ich hatte fest gelegt: Dom mit dem Baptisterium, Ponte Vecchio, Piazza de la Signora. Alles hatten wir durch die sehr geringen Wartezeiten und nicht so sehr viele Touristen so schnell durch, dass wir dann sogar noch: Uffizien von außen, den Platz der Republik, den Palazzo Pitti und die Kapelle der Medici ansehen konnten. Und bummeln, bzw. shoppen war auch noch drin und natürlich – wie könnte es anders sein: essen 🙂

Der Dom war bis zu diesem Zeitpunkt das wohl eindrucksvollste Gebäude, das ich je gesehen habe und ich fragte mich, wie man sich wohl so ein Gesamtkunstwerk ausdenken, planen und realisieren kann. Man darf dabei nicht vergessen, dass der Dom zu Florenz im 15. Jahrhundert erbaut worden ist. Allein die doppelwandige Kuppel ist eine eingehende Betrachtung wert.

Die Sehenswürdigkeiten lässt sich die Stadt Florenz sehr gut bezahlen, auch wenn einzusehen ist, dass das alles auch wohl nicht zu vernachlässigende Instandhaltungskosten birgt und vielleicht durch hohe Preise Touristen ein klein wenig abgeschreckt werden sollen. Die Wartezeiten in der Hochsaison, wie z.B. in den Sommerferien müssen bis zu drei Stunden betragen. Man kann auf so einer Reise wirklich sehr viel Geld loswerden. Der Preis für den Dom, die Kuppel, das Museum und das Baptisterium beträgt annehmbare 15.- Euro pro Person.

Der Dom in Florenz ist von vorne, also auf der Seite des Domplatzes sehr schön sauber, hell und gepflegt, während er von hinten sehr ungepflegt und schmutzig erscheint. Ein kleiner Wermutstropfen.

Kuppel und Turm des Domes sollte man unbedingt besteigen, auch wenn beides ein wenig Anstrengung und Grundfitness abverlangt, denn beide Male hat man fast 500 Stufen zu überwinden. Die Aussicht von dort oben entschädigt den Sportler aber schnell für die Strapazen, die er auf sich genommen hat.

Auch wenn die Innenbemalung der Domkuppel sehr bemerkenswert ist, die Bemalung des gleich neben dem Dom gelegenen Baptisteriums spricht mich persönlich mehr an. Auch die Tore des Baptisteriums könnten den Betrachter wohl stundenlang fesseln, wenn er die Zeit dazu hätte.

Beide Gebäude (Dom und Baptisterium) bestehen aus weißem Marmor, gebrochen von Rahmungen und nicht zu verspielten Intarsien. Sehr beeindruckend…

Zum Mittagessen ging es dann in ein sehr unscheinbares Lokal, das jedoch in unserem WoMo-Reiseführer sehr angepriesen wurde „Del Fagioli“. Und wir wurden hier nicht enttäuscht: sehr gutes, typisch toskanisches Essen zu absolut moderaten Preisen kann man hier in einheimischer Atmosphäre genießen. Die Karte ist für den gemeinen deutschen Urlauber ein wenig gewöhnungsbedürftig, denn sie ist in schnörkeliger Schrift auf italienisch handgeschrieben und wir haben zuerst einmal nicht so arg viel verstanden. Jedoch war alles nur halb so wild, denn es war bald festzustellen, dass einer der Ober der englischen Sprache mächtig war. Glück gehabt…vor allem ich 🙂

Gut gestärkt ging es nun weiter:

Die Piazza de la Signora mit den Statuen, auch wenn es meistens nur Kopien sind, die Piazza Vecchio, vorbei an den Uffizien, über die obligatorische Ponte Vecchio zur Palazzo dei Pitti und zurück über die Piazza de la Republica.

Die Ponte Vecchio wäre wohl in keinster Weise ein Publikumsmagnet, wenn dort immer noch die Gerber und Metzger der Stadt beheimatet wären, so wie früher. Da der (ganz sicher) unerträgliche Gestank, der deshalb von der Brücke ausging, den Medici im Palazzo Pitti wohl gehörig auf die Nerven ging, gab es irgendwann einen Erlass, dass dort nur noch Goldschmiede angesiedelt werden sollten. Die Billigausführung zieht heute Touristen aller Herren Länder an.

Es gibt hier also keine Parfümerie. Wer den Roman „Das Parfum“ von Patrik Süßkind gelesen, bzw. den Film dazu gesehen hat, weiss wovon ich rede. Aber in dem Film sieht man natürlich nicht diese Brücke hier, wenn sie auch in frappierender Weise an die im Film erinnert.

In Florenz gibt es sehr viele Ledererzeugnisse zu kaufen und ich gebe gerne zu, dass die Italiener in Sachen Schnitt und Verarbeitung wohl führend sein dürften. Uwe kaufte sich eine sehr schöne Jacke, ich hingegen bin eisern geblieben: Ich möchte mir nicht die Haut eines geschundenen Tieres überwerfen und bin daher ganz bescheiden bei einem Wollponcho hängen geblieben.

Man kann abschließend sagen dass in Florenz keinesfalls der typische Touristennepp, wie zum Beispiel in Verona, angeboten wird. Man sollte nur vor den Straßenhändlern ein wenig in Deckung gehen, denn sie können mitunter ganz schön nervig sein.

Im nächsten Beitrag lest Ihr über unseren Besuch auf dem toskanischen Biohof „La Vialla“ und das Örtchen Arezzo.

 

Bis dahin viele Grüße von

Anja und Uwe