Hallo Ihr Lieben,

es ist zwar schon mehr als ein halbes Leben…äh Jahr her, dass wir in Portugal waren, jedoch möchte ich es trotz allem nicht versäumen, hier ein wenig über die beiden größten Städte, nämlich Lissabon und Porto zu berichten.

Eines vorab: Beide Städte sind im Grunde jeweils eine eigene Reise wert. Das konnten wir trotz vorheriger, eingehender Lektüre unseres Reiseführers aber nicht ahnen und so haben wir beides verbunden, was aber auch seinen Reiz hat. Vor allem hat man so einen direkten Vergleich. Absolut sehenswert die Städte – alle beide!

Samstag, 16. September 2017:

Abflug am Münchner Flughafen „Franz-Josef-Strauss“ bei Kälte und Regen – Ankunft in Lissabon ca. 5 Stunden später bei 21 Grad und voller Sonne!

Gleich zu Anfang war festzustellen, dass das Metrosystem in Lissabon ganz einfach aufgebaut und auch für ortsunkundige sehr leicht zu verstehen ist: Es gibt vier Linien – gelb, blau, rot und grün. PENG – ENDE.

Unser Hotel liegt an der Endstation „Rato“ der Linie „Amarela“, also gelb.

Von dort aus ist es nicht allzu weit bis ans Ufer des Tejo. Erstaunlicherweise sind hier im September immer noch sehr viele Touristen unterwegs, so dass wir sogar ein wenig suchen mussten, bis wir unten an der „Praca de Commercio“ ein nettes Sonnenplätzchen in einer der vielen Cocktailbars gefunden hatten. Darüber war ich ganz besonders froh, denn ich musste auf dem Weg vom Hotel zum Tejo leider feststellen, dass der Weg wohl etwas zu lang für die gewählten Schuhe war und so lief ich mir gleich zu Anfang schon zwei Blasen.

Nachdem wir die schon tief stehende Sonne und das geschäftige Treiben an der Uferpromenade und auf dem großen Platz ein wenig auf uns haben wirken lassen, ging es später am Abend in eine der besten Fado-Bars der Stadt, ins „Sr. Vinho“. Dort hatten wir bereits von zu Hause aus und Wochen im voraus einen Tisch bestellt und man hört und schaut sich dort nicht nur die wunderbaren Livedarbietungen der Interpretinnen und Interpreten an, sondern zu einem richtigen Fado-Abend gehört natürlich auch ein gutes, mehrgängiges Menü, das für alle Gäste fast dasselbe ist. Wir verlebten in der Bar einen wundervollen, nicht alltäglichen Abend, an den wir uns gerne zurück erinnern. Die Preise sind allerdings selbst für deutsche Verhältnisse ziemlich gesalzen. Die Taxipreise sind indes sehr human.

 

Für den wissenshungrigen Lissabonbesucher gehört in jedem Fall ein Besuch des Stadtteils „Bélim“ aufs Programm.

Hier steht die Patisserie „Pastéis de Bélem“, in der angeblich die legendären „Pastéis“ erfunden worden sind. Es handelt sich um leckere, kleine Teigpasteten mit einer Art Füllung aus Pudding. Sehr lecker, jedoch möchte ich lieber nicht wissen, wie viele Kalorien so ein einziges Teil wohl beherbergt ;-). Ganz grundsätzlich habe ich persönlich in Lissabon sehr viel mehr Konditoreien, als Bäckereien gesehen.

Lange Warteschlangen vor dem Kloster „Mosteiro dos Jerònimus“ aus dem 16. Jhd. und später am berühmten „Torre de Bélem“ sind ganz normal, jedoch hatten wir um diese Jahreszeit nicht wirklich mit DIESEN Zeiten gerechnet. Trotzdem lohnt es sich, sich anzustellen, auch wenn wir den Torre nicht bis ganz nach oben erkundet haben: Es gab für diesen Teil des Turms eine zweite Warteschlange! Man hat aber auch von der ersten Plattform aus einen sehr guten Ausblick.

Das Kloster ist sehr bemerkenswert und ich habe selten so filigran bearbeiteten Stein gesehen. Ein großer Innenhof, der früher einmal als Kräutergarten gedient haben mag, umrandet von wunderschön gestalteten Bögen aus hellgelbem Stein. Die Bögen weisen verschiedene Szenen und Figuren auf. In den Kreuzgängen findet man alte Gräber und in den Stein gehauene Wandbilder. Das Kloster ist bereits 1983 in die Liste der Weltkuturdenkmäler der UNESCO aufgenommen worden, was nicht verwunderlich ist.

Nicht unerwähnt soll der alte Botanische Garten von Bélem bleiben, den wir nur durch Zufall gefunden und dann natürlich auch besucht haben. Er wartet mit einem wunderschönen, alten Baumbestand auf und ist großzügig angelegt. Ich stelle mir die Blütenpracht der vielen Büsche und Hecken gerne im Frühling vor.

Das Columbus-Monument unweit des Torre, ist sehr imposant und aus fast weißem Stein errichtet. Es ist unglaublich groß und auf dem weit angelegten Platz davor – oder dahinter – kann man ein wundervolles Bodenmosaik bestaunen, das in den Farben, weiß, hellgrau, rosé und schwarz gehalten ist.

Überhaupt sind Wand- und Bodenmosaike in ganz Lissabon allgegenwärtig: Bürgersteige und Plätze sind mit teilweise farblich ausdrucksstarken Mosaiken verziert. Flaniermeilen weisen durchgehend schwarz-weiße Muster auf. Häuserfassaden, Eingänge und Durchgänge sind mit Fliesen (Azulejos) verschönert. Manchmal sind diese Fliesen sehr alt und stammen wohl noch aus längst vergangenen Zeiten. Oftmals sind sie aber nach altem Vorbild neu aufgelegt worden.

Die älteste Bar Lissabons, das „Café do Brazil“ erreicht man zum Beispiel mit dem berühmten Fahrstuhl „Elevator de Santa Justa“. Die beiden Kabinen des Fahrstuhls sind noch im Originalzustand mit glänzendem, dunklen Holz und mit Messing ausgestattet und dürften schätzungsweise bis zu 25 Personen fassen. Der Erbauer des Fahrstuhls mitten in der Stadt war übrigens ein Schüler Gustav Eiffels, Raoul Mesnier de Ponsard, der auch die Stadtseilbahnen Lissabons konstruiert hat.

Das Café do Brazil liegt im oberen Stadtteil Chiado und hat eine melancholische Besonderheit: Der berühmteste Schriftsteller Lissabons, vielleicht sogar ganz Portugals, „Fernando Pessoa“ ging im „Café do Brazil“ ein und aus: Er aß dort, er schrieb dort, und er soff wohl auch dort. Jedenfalls ist der arme Mann nicht alt geworden und im Restaurant im Keller des „Café do Brazil“ ist jeden Abend ein Tisch leer: Er ist in nostalgischer Erinnerung immer für Fernando reserviert. Eine Szene aus Bronze ziert denn auch die Terrasse des Cafés: Fernando sitzt an einem Tisch (Für die, die es nicht gleich erkennen: Fernando sitzt links 🙂 ) . Die Geschichte dieses Schriftstellers, die so eng mit diesem Lokal verwoben zu sein scheint, hat mich sehr beeindruckt.

Lissabon ist für mich die Stadt der Gegensätze, denn es gibt wunderschön hergerichtete Plätze und Gebäude, die mit viel Liebe zum Detail restauriert oder neu errichtet worden sind. Im nächsten Augenblick findet man sich zwischen ärmlich anmutenden oder sogar halb verfallenen Bauten in  schäbigen Straßenzügen wieder.

Und so lohnt es sich in jedem Fall, einen halben oder sogar ganzen Tag des Aufenthaltes bei einem kleinen Stadtbummel zu verbringen.

Sehr zu empfehlen ist der Lissabonner Kirschlikör „Ginginha“, den man mitten in der Stadt in einem Miniladen erstehen kann, der den Namen „Laden“ eigentlich gar nicht verdient, denn es ist einfach nur ein superkleiner Verkaufsraum, in dem der Inhaber hinter einer Theke den Likör ausschenkt und wovor die Kunden einzeln, höchstens aber zu zweit Platz haben. Getrunken wird draußen 🙂 Aber lecker…

Leider gibt es in der Prachtstraße der Stadt nur wenige individuelle Geschäfte: Die Ketten haben auch hier Einzug gehalten – Geld gespart. Im Haus des Kunsthandwerks habe ich mir dann aber doch noch einen schönen Fächer gekauft.

Ein tolles, großes Hardrockcafé fehlt nicht und wer unsere Reisen bisher schon ein wenig mitverfolgt hat, weiß, dass wir dort natürlich gestöbert, gekauft und gegessen haben. Sehr zu empfehlen: Ganz toller Service und sehr, sehr gutes Essen. Außerdem reichlich 🙂

Das „Castello de Sao Jorge“ liegt auf einem der neun Hügel der Stadt und ist ganz wunderbar mit der legendären Straßenbahn „Electrico 28“ zu erreichen. Die Fahrt mit der 28 ist ein ratterndes Abenteuer quer durch die Stadt. Um einen Sitzplatz zu bekommen, sind wir extra an die Startstation gelaufen, die unweit unseres Hotels liegt.

Das Castello ist gut restauriert und ein wenig verwinkelt, so dass man dort einige Zeit verweilen kann. Der Blick über die Stadt und auf den Tejo ist jedenfalls einigermaßen atemberaubend.

Sehr zu empfehlen ist die sogenannte „Lisboa card“. Viele Eintrittspreise sind dadurch hinfällig oder reduziert. Außerdem kann man die Metro für die Zeit ihrer Gültigkeit kostenlos nutzen. Sie lohnt sich also in jedem Fall.

Wem es in der Fadobar so gut gefallen hat, dass er gerne noch ein Fadomuseum besuchen möchte, so wie uns, dem sei das Wohnhaus der „Amalia Rodriquez „wärmstens ans Herz gelegt. Es befindet sich in der Rua Sao Bento im Stadtteil „Rato“. Amalia Rodriguez war und ist die bedeutendste Fadosängerin Portugals und feierte zu Lebzeiten internationale Erfolge. Ihr Wohnhaus ist fast genauso belassen, wie es bei ihrem Tod 1999 aussah. Man kann hier ihre privaten Gemächer, wie z.B. den Salon, das Schlafzimmer, die Küche, den Garten und so weiter besuchen. Außerdem sind einige Trophäeäen, Auszeichnungen, selbst entworfene Kleider für Auftritte, Schmuck, Fotos, Gemälde und vieles mehr zu bewundern. Ohne Führung darf man das Museum aber aus verständlichen Gründen nicht besichtigen. Wir hatten Glück und bekamen eine Führung ganz für uns alleine. Die Dame hat uns sehr, sehr viel Interessantes aus dem Leben der Künstlerin und auch lustige oder traurige Begebenheiten erzählt. Der Eintritt ist sehr günstig.

Im kleinen Museumsshop werden schöne, kleine Souvenirs angeboten. Wirklich geschmackvoll und mit direktem Bezug auf „Amalia Rodriquez“, kein Touristennepp.

Was ich auch noch unbedingt erwähnen muss, ist der große Antikmarkt „Feira da Ladra“, was soviel heißt wie „Markt der Diebin“. Er findet dienstags und samstags im Stadtteil „Graca“ statt. Der Markt ist sehr groß und die Exponate teilweise sehr interessant. Mir sind die Azulejostände, mit Fliesen – aus welchem Jahrhundert auch immer – in lebhafter Erinnerung. Der Markt ist ein Erlebnis und ein absolutes Muss, wenn man Flohmärkte mag.

Direkt nebenan steht die Kirche, in der Amalia Rodriguez ihre letzte Ruhestätte gefunden hat.

Nach 181 Stufen im Innern tritt man auf das Dach der Kirche. Eine sehr ausladende Fläche, von der man einen beeindruckenden Blick über die Stadt genießen kann.

In Lissabon kann übrigens gut gegessen werden. Leider ist man manchmal ein wenig aufgeschmissen, wenn man weder Fleisch, noch Fisch isst und das geht der Begleitung manchmal auch ein wenig auf die Nerven, was nur allzu verständlich ist 🙂

Wir aßen trotzdem gar nicht schlecht: Von tibetisch über italienisch und amerikanisch bis hin zu einheimisch im Fadolokal war alles dabei und ausnahmslos gut. Der Kellner im Sr. Vinho gab sich mit mir  ganz besondere Mühe. Danke nochmal nachträglich.

Cafés und Cocktailbars findet man an jeder Ecke. Sie sind ausnahmslos gut besucht.

Nach sehr erlebnisreichen Tagen in Lissabon geht es nun weiter. Mit dem Zug nach Porto. Den Bericht hierzu könnt Ihr in den nächsten Tagen hier nachlesen und bis dann wünsche ich Euch schöne Osterfeiertage.

Eure Anja