Hallo liebe Leserinnen und VerfolgerInnen,

wie bereits angekündigt, hier mein Beitrag zu unserer Porto-Tour.

 

Wir fuhren also vom Bahnhof „Oriente“ in Lissabon nach Porto, was ungefähr vier Stunden in Anspruch nahm. Der Bahnhof liegt in einem offenbar ziemlich neuen und modernen Teil Lissabons. Der Stadtteil scheint das wirtschaftliche Herz der Stadt zu sein: Teure Autos, schick gekleidete Menschen, hohe verspiegelte Fassaden, neue Straßen und moderne Bars bestimmen hier das Bild. Da wir etwas zu früh am Bahnhof ankamen, konnten wir die Atmosphäre bei einem Kaffee einige Zeit auf uns wirken lassen.

Lissabon verfügt übrigens über weitere Bahnhöfe, wovon mir persönlich der Bahnhof „Rossio“ – zumindest von außen – sehr gut gefällt.

Nach einigen Stunden unspektakulärer Fahrt und einmal Umsteigen in die Straßenbahn kommt man also am Bahnhof „Sao Bento“ in Porto an. Und damit hat der Besucher bereits die erste Sehenswürdigkeit der Stadt erreicht, denn dieser Bahnhof wartet mit unglaublichen Verzierungen aus Kacheln und Fliesen an den Wänden der relativ kleinen, aber hohen Eingangshalle auf. Man sollte sich wirklich die Zeit nehmen und die Motive und Farben auf sich wirken lassen, bevor man in die Stadt hinaus tritt. Es lohnt sich!

Bereits auf dem Weg zu unserem sehr zentral gelegenen Apartment bemerkte ich, dass Porto viel pulsierender, bunter und ursprünglicher, aber auch viel gedrungener, kleiner und dadurch bergiger ist, als Lissabon. Das macht es aber keineswegs unsympathisch, ganz im Gegenteil, finde ich. Jedenfalls war ich sofort begeistert und freute mich darauf, einzutauchen.

Reisen macht Hunger und so suchten wir uns nach Bezug der Unterkunft ein kleines Restaurant. In der Rua das Flores aßen wir vorne am Platz ganz vorzüglich – natürlich draußen und mit Blick auf das lebhafte Treiben in den Straßen.

Das absolute MUSS in Porto ist leicht erraten: Portwein!

Am Ufer des Douro findet man eine Portweinbar neben der anderen und wir entschieden uns für eine Lokalität direkt am Wasser. Abends wird es um diese Jahreszeit in Porto schon etwas kälter und auch windig. Dafür haben die Bars vorzüglich mit Terrassenfeuern und Heizstrahlern vorgesorgt, so dass man trotzdem ganz wunderbar bis tief in die Nacht draußen sitzen kann.

Von den Bars aus hat man einen wundervollen Blick auf die große Brücke „Ponte Dom Luis I“ und natürlich auf das gegenüber liegende Flussufer, wo sich alle namhaften Portweinproduzenten, die einem gut oder auch weniger gut geläufig sind, niedergelassen haben. Ihre Namen kleben ohne erkennbare Ordnung in großen Leuchtbuchstaben in den Hängen.

Ein oder auch zwei Gläschen Portwein nach dem Essen wurde zu einem lieb gewonnenen Ritual für die Dauer unseres Aufenthaltes. Immer in der gleichen Bar.

Frühstücken in der legendären Konditorei „Confeitaria do Bolhao“ sollte man sich in Porto nicht entgehen lassen. Die Konditorei verfügt über einen großen Frühstücksraum im Jugendstil und allein das ist neben den ganzen Leckeren, die dem Besucher angeboten werden, schon ein kleines Highlight für sich. Manchmal ist es wirklich lästig, einen kleinen Magen zu haben 🙂

Danach schlendert man zum Beispiel durch die Markthalle Portos, die ihren Haupteingang gleich gegenüber der Confeitaria hat. Es wird wird hier allerlei feil geboten: Von Handtüchern über Holz- und Keramikarbeiten (Kacheln dürfen natürlich nicht fehlen) bis hin zu Obst, Gemüse und Fisch. Knoblauch, Zwiebeln und Chilischoten Hägen in dicken Zöpfen an den Ständen.

Weiter über die Rua Sta. Catarina zur von außen sehr auffälligen Kirche „Santa Catarina“. Sie ist komplett blau gekachelt. In Porto sind die Kirchen von außen schöner, als von innen – mal was anderes 🙂

In Porto liegt alles schön nah beieinander, so dass die Metro im Grunde gar nicht in Anspruch genommen werden muss. Trotzdem stiegen wir hie und da ein, vor allem auch, um darin den Douro über die „Ponte Dom Luis I“ zum überqueren, was ein besonders Erlebnis ist.

Die Brücke war ursprünglich gar nicht gedacht, um eine Straßenbahn zu tragen. Jedoch fand man durch Messungen heraus, dass sie so stabil konstruiert ist, um sogar mehr, als einen Metrozug auf einmal zu tragen. Seit 1996 gehört sie zu den Weltkulturerben der USESCO und wurde von einem Weggefährten Gustave Eiffels konstruiert, dem Ingenieur Théophile Seyring.

Langsam überquert der Zug die Brücke und dann kommt man auch schon in „Vila Nova de Gaia“ an – eine von Porto unabhängige, eigenständige Stadt. Das dortige Kloster kann besichtigt werden. Man hat von dort jedenfalls einen herrlichen Blick über Porto.

Per pedes ging es nun zurück über die Brücke zur Kathedrale „Sé“, wobei zu erwähnen ist, dass der Namenszusatz „Sé“ einfach nur bedeutet, dass es sich hier um einen Bischofssitz handelt 🙂

Damit verweilt man schon wieder ziemlich zentral in Porto. Alles ist einfach und schnell zu erreichen, auch ohne Metro: Zum Beispiel die Praca Municipal und das Rathaus durch die Rua das Flores.

Ganz Porto wartet mit sehr vielen kleinen, aber durchaus interessanten Läden auf, die bis tief in die Nacht hinein geöffnet sind. Wunderbar, sich vor oder nach dem Essen durch das reichhaltige Angebot treiben zu lassen. Die Rua das Floras stellt hier einen kleinen Höhepunkt dar. Leider gab es keinen interessanten Handarbeitsladen, nur einen uninteressanten. Nun ja, man kann nicht alles haben 😉

 

Abends kamen wir wie von Zauberhand geführt wieder an „unserer“ Portweinbar heraus – so ein Zufall aber auch! 🙂

Es fällt auf, dass sowohl in Lissabon, als auch in Porto an jeder Ecke renoviert und gebaut wird. Alte Hausfassaden werden dabei sehr oft erhalten. Die allgegenwärtigen Kacheln und Fliesen sind in Porto sehr viel besser erhalten, als in Lissabon. Dafür dominiert hier die Farbe blau, wohingegen es in diesem Fall in Lissabon viel bunter zugeht. Kaum ein Haus, das nicht wenigstens über einen kachelverzierten Sockel verfügt. Wunderschöne, fremde Welt.

In Porto sollte man unbedingt den „Torre Clericus“ besteigen und das ehemalige Stadtgefängnis besichtigen. Im Gefängnis gab es gerade eine sehr interessante und aufschlussreiche Fotoausstellung über das Leben von Gefangenen. Das Gebäude ist einigermaßen imposant: Man muss sich über die einfache, aber bemerkenswerte Architektur eines einfachen Gefängnisses wundern.

Von Porto aus kann man mit der Metro bis an die Atlantikküste fahren. Leider muss gesagt werden, dass die Portugiesen, was das Essen betrifft, oftmals noch sehr unbeweglich sind und wir haben daher dort kein einziges Restaurant gefunden, das auch nur ein Gericht OHNE Fleisch oder Fisch angeboten hätte. Uwe war darüber verständlicherweise not amused und so ging es eben früher, als geplant und nach einem kleinen Snack (wenigstens das ging) an der Uferpromenade zurück in die Stadt.

Ein paar Meter neben unserer Unterkunft gibt es ein kleines, lustiges Marionettenmuseum. Auch kann man in den Straßen Portos ab und zu eine Marionettenspielerin oder -spieler bewundern.

 

Anmerkung 1: Als Vegetarier muss man sowohl in Lissabon, als auch in Porto ein wenig suchen, um etwas ordentliches zu Essen zu bekommen und dadurch fühlt man sich manchmal ein wenig ausgeschlossen und behindert.

Anmerkung 2: Die LissabonCard ist durchaus sinnvoll. Die PortoCard kann man sich sparen.

Anmerkung 3: In Porto ist es etwas kälter und windiger, als in Lissabon.

 

Fazit: Unsere Lissabon-Porto-Tour werden wir so schnell nicht vergessen und erinnern uns immer mal wieder gerne bei einem Gläschen Portwein zu Hause an die vielen Erlebnisse und Eindrücke der beiden Städte. Prost!

Alles Liebe,

Eure Anja