Aber nur, weil die Heilige Elisabeth ungerechterweise in seinem Schatten steht, dazu später mehr.

 

Hallo liebe Blog-Leser,

vor drei Wochen war hier in Bayern so ein erbärmliches Wetter, dass wir kurzerhand beschlossen haben, in schöneres Wetter zu flüchten. Die einzige Gegend, wo das Wetter halbwegs ordentlich angesagt war, war Thüringen und so machten wir uns freitags gegen Mittag mit dem Wohnmobil auf in Richtung Eisenach.

 

Das Städtchen ist sehr schön und hat einiges Sehenswertes zu bieten wie z.B. das alte Stadttor, das Lutherhaus und einige Kirchen. Außerdem gibt es viele kleine Läden, eine hübsche Fußgängerzone und einiges mehr. Auch wenn wir genau in dieser Fußgängerzone auf ein geradezu unglaubliches Schild im Schaufenster eines Antiquitätenhändlers gestoßen sind, haben wir einiges Schönes entdeckt, aber erst, nachdem der Schock über den Wortlaut überwunden war:

 

Bei ausnehmend schönem Wetter, also Sonnenschein, und angenehmen Temperaturen ließ es sich in der Stadt aushalten und Einkäufe wurden natürlich auch getätigt , was sonst? 😉

 

Nachdem wir uns am Abend einen schönen Waldparkplatz zum Nächtigen gesucht hatten, ging es dann am nächsten Tag gleich hoch zur Wartburg. Am Vortag hatte uns eine sehr nette und nicht weniger gesprächige Verkäuferin in einem der vielen Geschäfte in der Stadt einiges über die Wartburg und die Umgebung, über Wanderwege und Aussichtspunkte erzählt und Tipps gegeben. Leider hatten wir aber nur diesen einen Tag zur Erkundung und so mussten wir leider einige Abstriche machen.

Der Fußweg über den Lutherweg zur Wartburg ist nicht sehr anstrengend, braucht aber seine Zeit.

Und da wir nun ja über Insiderwissen verfügten, stapften wir sehr früh morgens los, um noch eine halbwegs frühe Führung durch die Burg zu erwischen. Man kann das Innere der Wartburg übrigens nicht „auf eigene Faust“ erkunden. Man muss hierfür in jedem Fall die ca. eine Stunde dauernde Führung in Anspruch nehmen und das fanden wir auch ganz in Ordnung. Die Führung kostet pro Person übrigens durchaus gerechtfertigte 9 Euro.

Bei der Führung und überhaupt auf der Wartburg spielt ihre wohl berühmteste Figur Luther eigentlich nur eine vergleichsweise kleine Rolle und der sagenumwobene Tintenfleck in der Lutherstube gibt es gar nicht, wie wir sehen mussten. Das wird damit erklärt, dass sich im Laufe der Jahrzehnte viele Besucher ein Stück von der tintenbefleckten Mauer als Souvenir abgebrochen und mit nach Hause genommen haben. Nun ja, wo ein Glaube ist….Die Wand sieht jedenfalls ganz danach aus 🙂

Viel, viel interessanter war jedoch das leider nur sehr kurze Leben und Wirken der Heiligen Elisabeth, die als ungarische Prinzessin im 13. Jhd.  im Alter von nur 4 Jahren auf die Wartburg kam, um mit dem damals 11-jährigen Fürstensohn verlobt zu werden. Was ein armes Mädchen, habe ich bei dieser Geschichte nur gedacht – eigentlich ist sie ja von ihren Eltern verkauft worden, was damals wohl in diesen Kreisen an der Tagesordnung gewesen sein mochte!  Und ihre Schwiegermutter war ihr zeitlebens auch tatsächlich nicht so wohl gesonnen, schon gar nicht, als Elisabeth später als Ehefrau des Fürsten die Idee hatte, dass es nicht recht sei, auf der Burg im Überfluss zu leben, während die Menschen unten am Fuße der Burg ein sehr ärmliches Dasein führen mussten.

Anm.: Diese Fotos zeigen die Kemenate der Heiligen Elisabeth auf der Wartburg. Das Zimmer wurde nach alten Gemälden – wohl aus dem 13. Jhd. – nachempfunden. Ich weiss schon gar nicht mehr, wie viele Mosaiksteinchen hier verarbeitet wurden – eine Million?

Leider verlor die arme Elisabeth nach dem Tode ihres Ehegatten in einem der unzähligen Kreuzzüge dessen Schutz auf der Burg und so konnte sie von ihrer Schwiegermutter und ihrem Schwager mit ihren drei kleinen Kindern im Alter von ca. 20 Jahren davon gejagt werden. Im Alter von nur 24 Jahren verstarb Elisabeth dann leider, nachdem sie sich sehr für die Armen und Kranken eingesetzt hatte. An Erschöpfung, wie man damals mutmaßte.

Zur damaligen Zeit mussten 600 Wunder zu Lebzeiten eines Menschen nachgewiesen werden, damit die Kirche ihn heilig sprechen konnte. Die müssen auch erstmal gefunden werden, aber in dem Fall scheint es ja gelungen zu sein und so habe ich nun endlich eine Ahnung, warum so viele caritative Einrichtungen und Krankenhäuser und so weiter nach einer Elisabeth benannt sind. Es handelt sich hierbei um genau diese Elisabeth, die die ersten Krankenhäuser errichtet haben soll. Das war mir so nicht klar, leuchtet mir jetzt aber ein.

Nun bin ich wohl etwas zu weit abgeschweift, jedoch war mir diese Geschichte der Erwähnung in jedem Fall wert.

Ach ja: Auf der Wartburg gibt es übrigens ein Hotel. Eine Übernachtung dort  würde mich ja auch mal reizen, aber nun haben wir ja das WoMo, da ist sowas natürlich nicht mehr drin :-/

Nach dem beeindruckenden und sehr empfehlenswerten Besuch der Wartburg, die übrigens eine der besterhaltenen Burgen in Europa darstellt, ging es für uns dann weiter quer durch den Wald um Eisenach. Am Ende hatten wir 20km auf dem Buckel und die Füße taten mir weh. Aber wir haben auch wieder einiges gesehen und entdeckt, wie zum Beispiel die Elfengrotte und die „Wilde Sau“. Weiss der Teufel, warum dieser Minianstieg „Wilde Sau“ heisst. Wir hatten uns darunter jedenfalls mindestens einen halbwegs manierlichen Klettersteig vorgestellt 🙂

Leider sind die Wege nur sehr schlecht beschildert, dass es zu allem Überfluss auch noch ein paar unnötige Meter gab 😉

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Eine nicht zu verachtende Strecke  unserer Wanderung verlief über einen Teil des berühmten Rennsteigs, den ältesten Europawanderweg.

Der imposanteste Teil der Wanderung führte durch die Drachenschlucht. Und was sich auf den ersten Blick als sehr enttäuschend gab, entpuppte sich gleich darauf als eine sehr beeindruckende Art Klamm. Zwischen Felsen links und rechts ging es auf einem Stahlgitter über Wasser entlang. Treppauf – treppab, über angelegte Holzstege, wieder über Stahlgitter, an kleinen Wasserfällen vorbei und auch mal neben dem Bach entlang führte uns der absolut abwechslungsreiche Weg durch die Drachenschlucht über eine Stunde lang an grün bewachsenen Felsen vorbei. Der Durchgang war manchmal so schmal, das selbst ich halbes Handtuch schauen musste, einigermaßen unbeschadet an „Personengegenverkehr“ vorbei zu kommen. Eine wirklich sehr beeindruckende Naturkulisse.

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Das Wetter war genau nach Wanderergusto: Sonnenschein, aber nicht zu warm. Ganz am Ende kamen wir leider noch kurz in den Regen, aber so eine Lappalie macht dem gemeinen Wandervogel ja überhaupt nichts aus. Grummel…

Nachdem wir die Klamm durchwandert hatten, ging es noch einige Zeit weiter, bis wir endlich, endlich, endlich unsere Basis wieder erreichten. Nach einer kleinen Stärkung ging es dann aber gleich weiter nach Bamberg und wieso wir gerade dort noch einen Tag verbringen wollten, erzähle ich Euch demnächst hier auf dem Blog 🙂

 

Bis dahin habt eine schöne Zeit,

Eure Anja